#Arbeit&Produktion

#Industrie4.0 #InternetDerDinge #Programmieren #SmartFactories #Automation #Arbeit4.0

Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen on demand, die auf individuelle Vorlieben zugeschnitten und sieben Tage die Woche rund um die Uhr erhältlich sind, steigt stetig. Dieses Phänomen der digitalen Ökonomie ist ein Geschäftsmodell, das sich über alle Wirtschaftszweige hinweg erstreckt – von der verarbeitenden Industrie und dem Dienstleistungssektor, bis hin zum Transportwesen und der Telekommunikationsbranche – und das in hohem Maße von Informationstechnologien abhängig ist. [1] Die Organisation und das Management der gesamten Wertschöpfungskette im Verbrauchsgüterbereich wandeln sich dadurch grundlegend und eine neue Infrastruktur wird etabliert. Möglich wird dieses Wirtschaftsmodell durch die Echtzeitvernetzung von Waren, Abläufen und Infrastrukturen sowie durch die Vernetzung mit der internetbasierten Kundenbetreuung. Starre Wertschöpfungsketten werden so zu hochflexiblen Wertnetzen.

Für diesen Ansatz, der auch als die vierte industrielle Revolution eingestuft wird, wurde der Begriff #Industrie4.0 geprägt. Ihr zentrales Merkmal ist Interoperabilität, d. h. die Vernetzung von Maschinen, Geräten, Sensoren und Menschen und der damit einhergehende Informationsaustausch in Echtzeit über das #InternetDerDinge. Durch diese Transparenz können dynamische, effiziente Produktionsprozesse etabliert werden, die sich beispielsweise im Hinblick auf Kosten, Verfügbarkeit und Ressourcenverbrauch optimieren lassen. Da Software und Maschinen autonom agieren, ist es nicht notwendig, sie aufwändig neu zu #Programmieren, wenn veränderten Anforderungen Rechnung getragen werden muss. Dadurch kann auf individuelle Kundenwünsche schnell reagiert werden. Die einzelnen Teile der Kette »wissen«, was sie sind, wo sie hingehören und wie sie verfahren müssen. Auch können sie mit der Produktionsstätte interagieren. Der Betrieb entscheidet dann selbst, was unter Berücksichtigung der gesetzten Prioritäten und des Zeitrahmens geschehen soll. In diesen modular aufgebauten #SmartFactories [intelligente Fabriken] erkennt die eingesetzte Software Mängel und Fehler bereits im Anfangsstadium und kann entsprechend gegensteuern. [2]

Die Industrie 4.0 befindet sich aktuell noch in einem fortlaufenden Entwicklungsprozess. Um erfolgreich zu sein, sind auf globaler Ebene noch große Anstrengungen im Hinblick auf Standardisierung und Vereinheitlichung erforderlich. Sowohl national als auch international müssen branchenübergreifend neue Formen der Unternehmenskooperation entwickelt werden. Die höchst flexiblen Wertnetzwerke der Smart Factories machen die Angleichung von Interfaces (siehe #Interface im Themenbereich #Codierung), d. h. eine Referenzarchitektur sowie einheitliche Definitionen und Methoden, erforderlich. Notwendig sind eine gemeinsame Struktur und Sprache zur standardisierten Beschreibung und Spezifikation von Systemen. Die Industrie 4.0 bringt viele Herausforderungen für die Informationstechnologie und den Datenschutz mit sich, die sich negativ auf die Integrität von Produktionsprozessen auswirken können. Auch werden dadurch juristische Fragen aufgeworfen, die gesetzlich geregelt werden müssen. Dazu zählen etwa Datenschutz (auf Firmen-, Angestellten- und Kundenseite) und Haftungsfragen in Bezug auf automatisierte Systeme. [3]

Die tiefgreifendste Veränderung jedoch, welche die neuen Geschäftsmodelle mit sich bringen, ist die Art und Weise, wie Arbeit organisiert wird. Die #Automation bedroht immer stärker Routinetätigkeiten und unqualifizierte Arbeitsplätze, da sie von intelligenten Maschinen und Robotern (siehe #Roboter im Themenbereich #MaschinellesLernen) übernommen werden können. Die ArbeitnehmerInnen sind gezwungen, sich ein viel breiteres Spektrum an Fähigkeiten anzueignen, damit sie Handlungen ausführen und Entscheidungen treffen können, zu denen Algorithmen (siehe #Algorithmus im Themenbereich #Codierung) nicht in der Lage sind. Aufgrund dieser Entwicklungen müssen die ArbeitnehmerInnen für neue Aufgaben ausgebildet und qualifiziert werden, sie müssen flexibler und mobiler werden. Diese Veränderungsprozesse werden mit dem Begriff #Arbeit4.0 zusammengefasst. [4] In einem Wirtschaftssystem, das gänzlich auf Innovation ausgerichtet ist, wird Wissen zur zentralen Ressource. Es steht der Wandel von einer Arbeitsgesellschaft zu einer Wissensgesellschaft bevor. Nicht nur immer weniger Menschen werden immer mehr verdienen, sondern auch immer mehr Menschen wird immer weniger (Routine-)Arbeit zur Verfügung stehen und immer weniger Menschen werden immer mehr (hochtechnisierte/hochqualifizierte) Arbeit leisten. Wissen wird das neue Gold bzw. Öl. Am einen Ende des Spektrums sind Arbeitsplätze angesiedelt, die sich durch immer flexiblere und dynamischere Strukturen auszeichnen und damit an individuelle Bedürfnisse angepasst werden können. Das Ziel ist dabei, Kreativität wirtschaftlich nutzbar zu machen. In den Genuss dieser Vorteile kommen jedoch nur Spitzenkräfte, die auch von gesundheitsfördernden und familienfreundlichen Initiativen der Arbeitgeber profitieren. Am andere Ende des Spektrums steht die fabrikmäßige Entwicklung von Software, für die etwa die Akzeleratoren des Silicon Valley stehen.

Yasemin Keskintepe

 

[1] Vgl. Nick Srnicek, »Platform Capitalism«, Theory ReduxReihe, Polity Press, Cambridge (UK), 2017, S. 4–5.

[2] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, »Industrie 4.0 und Digitale Wirtschaft: Impulse für Wachstum, Beschäftigung und Innovation«, Berlin, 2015.

[3] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung, »Zukunftsbild Industrie 4.0«, Berlin, 2015.

[4] Vgl. Ned Rossiter, »Software, Infrastructure, Labor: A Media Theory of Logistical Nightmares«, Routledge, New York, 2016, S. 109.